Wolf Hogekamp – Es regnet Ponys

Von Arno Wilhelm , 0 Kommentare
Mittwoch, 27. Oktober 2010
Bild von Wolf Hogekamp
Wolf Hogekamp

Einer der ganz Großen der deutschen Spoken Word Szene hat sein erstes Buch veröffentlicht. 25 Texte und Gedichte vom Poetry-Slam-Urgestein Wolf Hogekamp persönlich – ein Buch voller Ponys und Poetry. Arno Wilhelm berichtet hier davon.

Über Wolf Hogekamp selbst könnte man schon ein Buch schreiben. Er hat die ersten deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften organisiert, ist seit dem Jahr 2000 Veranstalter und Moderator des Bastardslam, Texte von ihm sind in Anthologien unter anderem bereits bei Reclam, Rohwolt und erst vor kurzem im Carlsen Verlag erschienen, er hat das Format der Poetry-Clips mitentwickelt und ist auch sonst in Deutschland und vor allem in Berlin omnipräsent wenn es um Spoken Word – Kultur geht. Daher fand ich es sehr interessant, sein erstes eigenes Buch genauer in Augenschein zu nehmen und zu sehen, was für Texte er dafür für würdig befunden hat.

Buchcover: Wolf Hogekamp – Es regnet Ponys
Wolf Hogekamp – Es regnet Ponys

Das Buch ist voller Ponys. Sie tummeln sich als Bilder auf dem Cover und neben manch einem Text, liebevoll gezeichnet von Lydia Dykier. Das Vorwort hat Sebastian23, der auf seine ganz eigene Art zum Buch beiträgt und zeigt, warum man Wolf Hogekamp und David Hasselhoff mit gutem Grund in ein und demselben Text unterbringen kann. Am Schluss führt er unerwartet und amüsant dann doch noch auf das Buch hin, endlich kann es losgehen.

Text Nummer eins heißt schlicht „Drogen“ und behandelt die nicht ganz einfach Frage, warum man eigentlich zu keiner Tageszeit in Ruhe Drogen nehmen kann. Auch wenn keine Lösung für dieses durchaus schwerwiegende Problem dargeboten wird, sind die sehr nachvollziehbaren Gründe allein es schon wert den Text zu lesen. Gleich darauf folgt die „Meditation eines Rennfahrers“, mit dem schönen Satz „Reflexion ist doch nur ein anderer Begriff für die Unterschreitung der Höchstgeschwindigkeit als Mangel.“ Es ist ein Text über das Tempo des Lebens, über den Ausstieg aus dem Alltag und darüber, auf einer Verkehrsinsel zu leben. Ich weiß nicht, wie es Bewohnern anderer Städte geht, für mich gehören sehr viele der Texte dieses Buchs nach Berlin, wo Wolf ja auch lebt und arbeitet. Thematisch tauchen Berlin selbst und auch die Clubs, die DJs und das Leben hier immer wieder auf. Ginge es um Filme, würde man sagen, dass die Texte schnell geschnitten sind. Kurze, oft abgehackte Sätze, viel Bildsprache und schnelle Situationswechsel. Es wird viel mit Sprache und Wortspielen gearbeitet, was zum Beispiel in dem Text „Was ist ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz?“ sehr schön perfektioniert ist.

Angenehm wenige der Themen wiederholen sich, mit jeder Seite die man aufschlägt kann man sich auf neuen Inhalt und oft genug auch auf eine neue Textart einlassen. Konversationen, Gedichte, Prosa – aus vielen literarischen Gattungen ist etwas dabei. In „Liebst du mich?“ unterhalten sich zum Beispiel Mann und Frau über die Liebe. Ich vermute, je nach Geschlecht und Lebenssituation dürfte der Text witzig, traurig oder durchaus auch mal tragisch auf den geneigten Leser wirken.

„Früher wusste ich immer alles und so, wie ich gestern war, würde ich mir heute lieber nicht begegnen.“, schreibt Wolf in „Früher, Gestern, Heute“, einem Text über die Veränderungen der Welt. Es ist angenehm seinen Gedankengängen zu folgen und sich von den Wechseln zwischen Ernst und Humor überraschen zu lassen. „Was soll das denn jetzt heißen, ich habe keine Sprache?“, erinnert schwer an "Die Kastagnetten" aus der Bullyparade oder an manch einen Dialog, den man in der U-Bahn von anderen Fahrgästen mithört. Der Unterschied zwischen diesen beiden Möglichkeiten ist allerdings auch nicht allzu groß. „Es regnet Ponys“, der Text der dem Buch seinen Namen geschenkt hat, hat viel mit Berlin und seinen Touristen zu tun – und damit wie das so ist, wenn es Ponys regnet. Im Gedicht „Lächeln“ versucht ein Mann einer Frau zu imponieren. Seinem inneren Monolog zu folgen weckt fast Mitleid, mangels Erfolgen seinerseits. Hin und wieder stehen unter dem Namen der Texte kleine Erklärungen, warum oder unter welchen Umständen der Text entstanden ist, ähnlich wie sie in den Booklets mancher CDs zu finden sind. Das sollte in mehr Büchern mit Gedichten oder Slamtexten der Fall sein - es ist sehr interessant für den Leser.

Ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen. Unabhängig davon, wie bekannt der Autor ist, am Ende zählen die Texte. Diese unterhalten gut und es macht Spaß, Wolfs Gedanken auf ihrer oftmals wilden Fahrt zu folgen. Das Buch ist im Lektora Verlag im praktischen A6-Hosentaschenformat erschienen und über die Verlagswebsite für 6 Euro erhältlich. Voraussichtlich am 4. Dezember wird es eine von Wolf organisierte Release-Party für dieses Buch und für die neue Poetry-Slam-Anthologie aus dem Carlsen Verlag geben. Genauere Informationen dazu findet ihr natürlich rechtzeitig auf Slammin‘ Poetry.

Zu guter Letzt verlosen wir noch 3 Exemplare von „Es regnet Ponys“! Ein Exemplar erhält jeweils der Autor des ersten Kommentars, das den Namen von Wolfs kürzlich aufgelösten Slamteam oder der beiden anderen Mitglieder nennt. Damit wir die Gewinner unkompliziert kontaktieren können, werden nur Kommentare von registrierten Benutzern gewertet.

Arno Wilhelm

Ich schreibe gerne alle möglichen Dinge. Seien es eine Menge Rezensionen hier auf Slammin' Poetry in den letzten Jahren, Gedichte für meine Lesebühne 'Dichtungsring' im Laika in Neukölln oder auch Geschichten und Romane. Mein zweiter Roman 'Was man so alles tut kurz vor dem Weltuntergang' erschien im Mai 2019 in der edition tingeltangel.

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